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Textproben

Auszüge aus dem Buch „Wider den grünen Wahn

Aus dem ersten Kapitel: „Die Wächter über unsere Moral“

Erster Abschnitt dieses Kapitels

Die Grünen haben wie keine andere Partei oder Gruppierung den Geist der Zeit in den letzten Jahrzehnten bestimmt. Die von ihnen repräsentierte Umweltbewegung war in dieser Periode die einzige originäre neue Kraft. Die Grünen haben mit ihren Themen die gesellschaftlichen Diskussionen geprägt. Sie wurden groß durch ihren leidenschaftlichen Kampf gegen die Kernkraft. Sie triumphierten, als nach dem Reaktorunglück in Fukushima der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde und auch die Bundeskanzlerin erkannte, was Restrisiko bedeutet. Sie haben die regenerativen Energien gefördert und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg gebracht. Deutschland ist auf diesem Gebiet Spitzenreiter in der Welt. Die installierte Leistung bei der Photovoltaik ist mehr als viermal so groß wie in China, Japan oder den USA. Windräder und Sonnenpanele auf den Dächern haben unsere Landschaft verändert. Die Grünen haben früh auf die Grenzen des Wachstums aufmerksam gemacht. Sie wussten, dass die Vorräte an Erdöl, Erdgas, Zinn, Kupfer und vielen anderen Ressourcen bald erschöpft sein werden. Sie nehmen den Klimawandel ernst und dulden es nicht, wenn die Prognosen des Weltklimarats angezweifelt werden. Alles muss dem Ziel, den Klimawandel zu verlangsamen, untergeordnet werden. Sie treten für artgerechte Tierhaltung ein und wenden sich gegen die industrialisierte Landwirtschaft und den Einsatz chemischer Pestizide. Sie fördern den Biolandbau und stoßen dabei auf großen Anklang in der Bevölkerung. Als Anhänger des Vorsorgeprinzips lehnen die Grünen neue Technologien ab, wenn sie glauben, dass damit ein Risiko verbunden ist, sei es auch sehr gering. Sie kämpfen gegen die grüne Gentechnik und sie finden fast nur Zustimmung. Sie waren Vorreiter im Kampf gegen die Benachteiligung der Frauen und sie waren die ersten, die für Quotenregelungen eintraten und solche Regelungen auch in ihre eigene Satzung aufnahmen. Sie wenden sich scharf gegen das Betreuungsgeld und auch gegen das Ehegattensplitting, weil sie glauben, dass die Frauen dadurch daran gehindert werden, möglichst bald nach der Geburt eines Kindes wieder berufstätig zu sein. Die Grünen treten dafür ein, großzügig bei der Gewährung von Asyl zu sein und verstehen das als Ausdruck ihrer Solidarität und ihres Humanismus. Schärfer als andere wenden sie sich gegen jede Art von Fremdenfeindlichkeit. Jede Form von Nationalismus ruft sie als Wächter auf den Plan. Auch Patriotismus ist ihnen verdächtig. Sie glauben, dass der Nationalsozialismus und die damals begangenen Verbrechen kein Betriebsunfall in einer ansonsten achtbaren deutschen Geschichte waren, sondern die Quintessenz aus einem reaktionären Sonderweg, den Deutschland schon lange vorher eingeschlagen hat.

Die Grünen waren mit ihren Themen auf allen Gebieten erfolgreich. Wie keine andere Partei können sie auf die Unterstützung durch die Medien rechnen. Die wichtige Frage aber ist: Haben sie auch recht? Ist es vernünftig, ihren Vorschlägen zu folgen? Das soll in diesem Buch geprüft werden.

Wir werden sehen, dass es zu dem vorhergesagten Kollaps unserer Wirtschaft wegen der Erschöpfung der nicht regenerierbaren Ressourcen nicht kam. Die Reserven und Ressourcen an Rohstoffen sind heute nicht geringer als vor fünfzig Jahren. Nach den apokalyptischen Visionen der Hilfstruppen der Grünen in den Medien sollte das Waldsterben dazu führen, dass es seit 2002 bei uns überhaupt keinen Wald mehr gibt. Doch unser Wald verschwand nicht. Er wächst jährlich um 10.000 Hektar. Die Erzeugnisse des Biolandbaus schmecken nicht besser, sind nicht gesünder und sind nicht sicherer als die des konventionellen Anbaus. Die Biobauern brauchen aber bei gleichen Erträgen eine um ein Drittel größere Fläche. Die Grünen führen einen erbitterten Kampf gegen synthetische Pestizide, die in der Biolandwirtschaft nicht eingesetzt werden dürfen. Die Hysterie gegen synthetische Pestizide erreichte einen traurigen Höhepunkt in dem Kampf gegen DDT. Millionen von Menschen starben, weil wegen der Ächtung von DDT das billigste und wirksamste Mittel im Kampf gegen Malaria nicht mehr eingesetzt werden durfte. Heute führen die Grünen und ihre Hilfstruppen einen schändlichen Kampf gegen die grüne Gentechnik. Grüne Aktivisten verwüsten die Versuchsfelder, auf denen der „Goldene Reis“ angebaut wird. Alle Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisationen der ganzen Welt erklären, dass gentechnisch veränderte Produkte mit keinen Risiken für den Menschen und die Umwelt verbunden sind. Beim Kampf gegen den Klimawandel tritt keine andere Partei so entschieden für die erneuerbaren Energien ein wie die Grünen. Wahr ist, dass mit all unseren Wind- und Solaranlagen, für die wir viele Hunderte von Milliarden ausgeben, nicht eine einzige Tonne CO2 eingespart wird.

Die Grünen handeln in dem Bewusstsein, ihre Urteile von einer überlegenen moralischen Position verkünden zu können. Als Wächter über unsere Moral verlangen sie, dass wir mit ihnen die richtigen Folgerungen aus unserer schuldbeladenen Geschichte ziehen. Sie verstehen sich als Schützer unserer Umwelt. Sie wollen, dass wir ihre Vorschläge zur Rettung des Planeten akzeptieren. Sie agieren als Wächter und als Ankläger. Pardon wird nicht gegeben. Wie keine andere Gruppierung verwalten sie das Erbe der Achtundsechziger.

Die Erben der Achtundsechziger

Die Kinder der NS-Generation hatten das natürliche Bedürfnis, sich von den ungeheuerlichen Verbrechen der Nationalsozialisten zu distanzieren. Dieser Wunsch war umso ausgeprägter, als sie glaubten, dass die von ihnen so genannte Tätergeneration wenig Schuld- und Schamgefühle zeigte. Jeder aus dieser Generation konnte ein Täter sein. Die zweite Generation der Kinder empfand sich als Opfer ihrer schweigenden Eltern, denn sie fühlten sich durch die Verbrechen der Tätergeneration belastet.

Sie distanzierten sich von ihren Eltern gerade dadurch, dass sie sich mit scheinbar hochmoralischer Gesinnung zur deutschen Schuld bekannten. Die Genugtuung, die das Bekennen der deutschen Schuld bereitet, war ein Mittel der moralischen Selbsterhöhung. Gerd Koenen, der in den siebziger Jahren dem maoistischen Kommunistischen Bund Westdeutschland KBW angehörte, hat das in seinem außergewöhnlich lesenswerten autobiographisch geprägten Buch „Das rote Jahrzehnt“ eindringlich und nachvollziehbar geschildert.

Koenen berichtet, wie man schon beim Jugendaustausch eine Position nachsichtiger Überlegenheit gewann, indem man bereit war, sich mit „der anderen Kultur schwärmerisch zu identifizieren“ und so demonstrierte, dass man über „derart primitive Nationalvorurteile wie diese Briten, Holländer oder Dänen längst hinaus war.“ Koenen resümiert: „ Es bedurfte nämlich keines besonderen jugendlichen Raffinements, um zu bemerken, dass unser geheimer Bonus gerade die Verbrechen und Feindschaften von gestern waren, denen wir so demonstrativ abschworen. Sie blieben unser unsichtbares moralisches Negativkapital, das unseren Status deutlich erhöhte, das Pfund mit dem wir wucherten.“ „Gerade die prononcierte Anerkenntnis einer pauschalierten ‚deutschen Schuld’ vermochte uns Nachgeborene, wie wir bald herausfanden, in den Stand einer militanten Unschuld und moralischen Superiorität zu versetzen…“

Das freudige Bekennen einer deutschen Schuld, die kosmopolitische Überwindung auch eines jeglichen Patriotismus, ist bis heute für die Grünen konstitutiv. Je stärker sie die deutsche Schuld betonen, umso eindeutiger setzten sie sich von den schuldigen Deutschen ab. Das eigene Volk ist schlecht, man selbst steht außerhalb. Man tut sich in der Anklage deutscher Verbrechen hervor, erkennt allzeit die deutsche Schuld an und wälzt sie zugleich auf die anderen ab. „Man kommt sich moralisch sehr hochstehend vor“, hat Robert Spaemann formuliert, „wenn man Bußfertigkeit zeigt, für etwas, wovon man überzeugt ist, dass man persönlich damit absolut nichts zu tun hat. Man sagt wir und schlägt andern an die Brust“. Man genießt den Heiligenschein, den die öffentliche Bekundung der Schuld und die laute moralisch Entrüstung verschaffen. „Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen“ hat Helmut Qualtinger formuliert.

Schon erstaunlich früh und verblüffend hellsichtig, (denn sie konnte ja nicht wissen, welches endemische Ausmaß das von ihr kritisierte Verhalten noch annehmen würde), hat sich Hannah Arendt in einer Replik gegen Enzensberger dagegen gewandt, die Verbrechen der Nazis zur eigenen moralischen Selbsterhöhung zu nutzen. In einem Brief vom 5. Februar 1965 an den Merkur-Herausgeber Paeschke, der nicht veröffentlicht wurde, schreibt sie:

Ich bin betont freundlich geblieben, weil mir schien, dass an gutem Willen hier nicht zu zweifeln ist. Sachlich, und nun ganz entre nous, hätte ich sagen müssen: ‚Ich habe Ihnen ja nicht vorgeworfen, dass sie leugnen, dass die Deutschen an Auschwitz schuld sind, sondern dass sie sich dafür noch eine Feder an den Hut stecken’.“

Die Neigung, sich Auschwitz als eines negativen Mythos zu bedienen, war damit, wie Gerd Koenen schreibt, zum ersten Mal prägnant bezeichnet.

Die Beschäftigung der Achtundsechziger mit dem Leid der Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft war ein notwendiger Schritt in der Aufarbeitung der grausamen Vergangenheit. Sie versuchten aus der schuldbeladenen Genealogie auszubrechen. Eine Identifikation mit den eigenen Vorfahren war unmöglich. Im Zentrum ihres Identifizierungswunsches standen die Opfer des nationalsozialistischen Systems, Kommunisten und Juden. Ihre Vorstellung, Opfer wie die ermordeten Juden zu sein, schließt die Idee der eigenen Unschuld ein: Sie selbst sind ohne Schuld, die Täter sind die Anderen.

Abstoßend ist die moralisch-politische Selbstgefälligkeit, die sich aus der nachträglichen Identifikation mit den Opfern ergibt. Man glaubt sich durch diese Identifikation ein moralisches Überlegenheitsgefühl schaffen zu können. Klaus von Dohnanyi hat geäußert, ihn beschleiche leider, wenn er das Wort Auschwitz in politischen Debatten höre, allzu oft das Gefühl, dass man sich durch Identifikation mit den Opfern für einen Augenblick aus der Reihe der Tätererben stehlen wolle. Auschwitz, das sind die anderen.

In ihrer Rolle als Opfer gaben die Achtundsechziger ihren Kindern mit Vorliebe jüdische Namen. Dauerbetroffenheit und das stetige Bekennen der deutschen Schuld wurden ihr Markenzeichen. Als „gefühlte Opfer“ wussten sie sich im Stande unangreifbarer moralischer Überlegenheit und berufen, die Rolle des Wächters und Warners wie auch die des jederzeit sprungbereiten Anklägers zu übernehmen. Sie wurden die Hohepriester des allein korrekten Gedenkens und Verstehens unserer Geschichte. Die Grünen als Postachtundsechziger haben ihr Erbe angetreten.

Die selbstkritische Analyse Alain Finkielkrauts sollte die „Gefühlten Opfer“ beschämen. Finkielkraut schreibt: „Mit dem Judentum war mir das schönste Geschenk zuteil geworden, das sich ein dem Völkermord nachgeborenes Kind erträumen konnte. Ich erbte ein Leid, das ich nicht erfuhr. Vom Verfolgten übernahm ich die Rolle, ohne seine Unterdrückung zu erleiden. In aller Ruhe konnte ich ein außergewöhnliches Schicksal genießen. Ohne mich einer realen Gefahr auszusetzen, hatte ich das Format eines Helden.“ „Nachdem ein für alle Mal klargestellt war, dass die Geschichte die Einteilung der Welt in Folterknechte und Opfer ist, gehörte ich zum Lager der Unterdrückten … War ich nicht selbst der lebendige Vorwurf, den die leidende Menschheit an ihre Henker richtet?“An anderer Stelle heißt es: „Ich kann nicht einmal mehr bekennen ‚Ich bin Jude’, ohne sogleich den Eindruck zu haben, den Völkermord zu meinem persönlichen Vorteil zu missbrauchen und mich mit den Leiden anderer zu schmücken.“ Unsere gefühlten Opfer hingegen empfinden nicht, wie anmaßend es ist, sich mit den Leiden anderer zu schmücken, sich Auschwitz als eine Feder an den Hut zu stecken und sich moralisch-politisch selbstgefällig nachträglich mit den Opfern zu identifizieren.

Den Wechsel aus der Rolle des Angeklagten in die des Anklägers hat Odo Marquard schon früh beschrieben. Für die Generation der Achtundsechziger wurde das Entlastungsargument unwiderstehlich, dass man, - „wo Schuldvorwürfe das Gewissen überlasten - das Gewissen nicht mehr zu haben braucht, wenn man das Gewissen wird.“ Es ist die Flucht aus dem Gewissenhaben in das Gewissensein, so dass man das schlechte Gewissen selber nicht mehr zu haben braucht, wenn man das schlechte Gewissen für andere wird. Man entkommt dem Tribunal, indem man es wird. „Es ist die Flucht nach vorn in das absolute Anklagen, dass das absolute Angeklagtsein hinter sich lässt …“

Ende des ersten Kapitels:

Gesinnungspolitik und Politischer Moralismus.

Da die Grünen wissen, dass sie aus unserer schuldbeladenen Geschichte die richtigen Folgerungen abgeleitet haben und da sie sich zur Rettung unseres Planeten berufen fühlen, handeln sie im Bewusstsein, moralisch in einer anderen Liga zu spielen als Andersdenkende. Sie sind die Guten, die Anderen die Bösen. Man hat ironisch formuliert, dass sie ihre moralische Sonderstellung gerade auch aus dem Kontakt mit dem Bösen ableiten, weil sie beim Besuch ihrer Großväter an deren Stammplatz in der Hölle Einsichten gewonnen haben, von denen andere, die es versäumt haben, sich dergestalt kundig zu machen, keine Ahnung haben.

Die Grünen haben erkannt, dass die Moral, die persönliche Betroffenheit und das Gefühl ihnen eine rhetorische Ausgangsposition verschaffen, die es erlaubt, Zahlen, Fakten und sachliche Argumente als kalt und unmenschlich zu ignorieren. Sie haben den Meinungsmarkt moralisiert. Wer ihre Gesinnung nicht teilt, ist verdächtig. Sie haben die neuen Gesslerhüte aufgestellt und neue Denkverbote erlassen. Sie haben erkannt, dass die Sprache ein Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und zur Unterdrückung von Meinungen sein kann. Sie sind die Hüter der politischen Korrektheit. Ein falsches Wort und man wird vor den grünen Wohlfahrtsauschuss geladen. Ihnen steht zwar nicht die Guillotine zur Verfügung, aber den Job kann es schon kosten, wenn man vorgeladen wird.

Die Grünen sind Vertreter einer Gesinnungspolitik und Veranstalter öffentlicher Gesinnungstribunale. Argumente sind nicht falsch oder wahr, sondern gut oder böse. Wer ihnen widerspricht, wird an den moralischen Pranger gestellt. Immer sind sie auf der Hut, jene zu entdecken, die ihre Gesinnung nicht teilen, um die Alarmglocken rechtzeitig zu läuten.

Der furchtbare Schöpfer der praktizierten Gesinnungspolitik ist Maximilien Marie Isidore de Robespierre, der „Unbestechliche“, der den Ahnvater der Grünen, Jean-Jacques Rousseau, wie einen Heiligen verehrte. Seine Gesinnungspolitik lässt sich als Übertragung der religiösen Intoleranz auf das politische Leben beschreiben. Sie bestraft nicht erst den Verstoß gegen Gesetze, sondern schon die abweichende Gesinnung. Es genügte also nicht, die Gesetze zu beachten, sich an die überkommenen moralischen Regeln zu halten, man musste „tugendhaft“ sein und das war man .nur als Mitglied der Jakobiner. Mit der Gesellschaft der Jakobiner hatte Robespierre sich seine Kirche geschaffen. Was gut und böse ist, bestimmten die Revolutionstribunale. Robespierre ist der Begründer des Tugendterrors in der jakobinischen Schreckensherrschaft.

Gesinnungspolitik ist Ausdruck dessen, was Hermann Lübbe in einem fulminanten Essay Politischen Moralismus genannt hat. Politischer Moralismus, das ist unter anderem „die Selbstermächtigung zum Verstoß gegen die Regeln des gemeinen Rechts und des moralischen Common sense unter Berufung auf das höhere Recht der eigenen, nach ideologischen Maßgaben moralisch besseren Sache“.

Lübbe weist darauf hin, dass es nicht kriminelle Gesinnung, sondern „der angespannte Politmoralismus ideologisch formierter gemeinsinnstranszendenter Gesinnung“ war, der die großen Verbrechen im zwanzigsten Jahrhundert möglich machte.

In der Zeitschrift „Rotes Schwert“ dem Organ der von Lenin gegründeten Geheimpolizei Tscheka heißt es am 18. August 1919: „Uns ist alles erlaubt.“ Hermann Lübbe erläutert:

„Man verstünde diesen Satz grundsätzlich falsch, wenn man ihn als einen Satz unüberbietbaren Zynismus läse. Er ist, ganz im Gegenteil, ein Satz unüberbietbarer politmoralistischer Selbstlegimitation, und die entscheidende ideologietheoretische Frage ist, unter welchen Voraussetzungen man sich zu einem solchen Satz berechtigt weiß.“

Der zitierte Artikel stellt klar, warum alles erlaubt ist:

„Unser ist ein neuer Moralkodex. Unsere Humanität ist absolut; denn sie gründet sich auf das glorreiche Ideal der Beseitigung von Tyrannei und Unterdrückung. Uns ist alles erlaubt; denn wir sind die ersten in der Welt, die das Schwert nicht zu Zwecken der Versklavung und Unterdrückung ziehen, sondern im Namen der Freiheit und der Befreiung von der Knechtschaft.“

Von den Grünen droht uns zur Zeit weder das Ende auf der Guillotine noch der Gulag. Doch die aus ihrem Sendungsbewusstsein resultierende Selbstermächtigung zu einem Verhalten, das dem Andersdenkenden die moralische Integrität abspricht, wurde schon in diesem einleitenden Kapitel deutlich.

Aus dem dritten Kapitel: „Biolandwirtschaft: „Der vom grünen Zeitgeist gesegnete Schwindel“

Aus dem Abschnitt „Sind Bioprodukte sicherer?“

Anders als die durch die Panikmafia von Greenpeace und BUND verunsicherten Konsumenten glauben, stellen „geringe, ja selbst deutliche Belastungen mit den in Europa rund 400 zugelassenen Pestiziden kein gesundheitliches Risiko dar“, heißt es in dem Bericht der „Stiftung Warenest“ unter Bezugnahme auf die Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung. Die Gefahrstoffverordnung unterscheidet sehr giftige Stoffe, giftige Stoffe und gesundheitsschädliche Stoffe, je nach der Dosis, die letal ist. Ein Großteil der Pflanzenschutzmittel ist nicht einmal als gesundheitsschädlich einzuordnen. Nimmt man Kochsalz als Bezugssubstanz so ist die Toxizität einer großen Anzahl von synthetischen Pestiziden geringer als die von Speisesalz. Es ist den durch die von Greenpeace, BUND und ihren gläubigen Anhängern in den öffentlich-rechtlichen Medien verunsicherten Bürgern in aller Regel unbekannt, dass in den Pflanzen, auch wenn sie nicht durch chemische Pflanzenschutzmittel behandelt wurden, alle Gifte dieser Welt enthalten sind. Pflanzen können nicht vor ihren Feinden weglaufen, sie können nicht zuschlagen oder beißen, sie haben sich, um in der Evolution zu bestehen, mit chemischen Waffen verteidigt. Sie wehren sich mit Giften aller Art. Tatsächlich sind etwa 99,99 Prozent! aller Pestizide, die wir zu uns nehmen, natürlichen Ursprungs. Es sind chemische Verbindungen, die von den Pflanzen produziert werden, um sich gegen Pilze, Insekten und andere tierische Feinde zu verteidigen. Jede Pflanze produziert ein anderes Arsenal von Chemikalien. Der Biochemiker Ames schätzt, dass ein Amerikaner im Durchschnitt 5.000 bis 10.000 verschiedene natürliche Pestizide und ihrer Abbauprodukte zu sich nimmt. Ein Amerikaner nimmt im Durchschnitt jeden Tag etwa 1500 mg natürlicher Pestizide zu sich. Das ist 10.000 mal so viel wie die 0,09 mg, die er an synthetischen Pestiziden konsumiert.

Etwa 50 Prozent aller Pestizide erzeugen im Tierversuch bei Nagetieren Krebs. Das gilt in gleicher Weise für synthetische wie für natürliche Pestizide. Obgleich nur ein kleiner Teil der natürlichen Pestizide auf Karzinogenität getestet worden ist, erzeugen 37 von 71 getesteten natürlichen Pestiziden bei Nagetieren Krebs. Natürliche Pestizide, die bei Nagetierern im Tierversuch Krebs verursachen, finden sich überall: im Obst, im Gemüse, in Kräutern und Gewürzen. Es gibt sie im Kohl, Rosenkohl, in Möhren, Brokkoli, in Bananen, Äpfeln, Birnen, in Petersilie, Salbei, Thymian. Die Menge an karzinogenen Stoffen in diesen Pflanzen ist im allgemeinen tausend mal größer als die Mengen an synthetischen Pestiziden, die wir zu uns nehmen. Bei synthetischen Pflanzenschutzmitteln hat man die Grenzwerte in „parts per billion“(ppb) festgelegt. Äpfel, Aprikosen, Brokkoli, Kohl und Birnen, um nur einige zu nennen, enthalten dagegen 50.000 bis 500.000 ppb an karzinogenen Stoffen.

In einer einzigen Tasse Röstkaffee haben die natürlichen Chemikalien, von denen man weiß, dass sie krebserzeugend sind, das gleiche Gewicht wie die synthetischen Pestizide, die man in einem Jahr zu sich nimmt, obwohl erst drei Prozent der natürlichen Chemikalien im Kaffee auf Karzinogenität getestet worden sind.

In dem sehr empfehlenswerten Buch „Die Panikmacher“ schreiben Walter Krämer und Gerald Mackenthun: „Die vom Menschen beigetragenen Pflanzengifte und Krebserreger machen etwa ein Zehntausendstel der natürlich hergestellten aus. Eine Portion biologisch angebauter Brokkoli enthält die 15.000 fache Referenzdosis des in der Öffentlichkeit gern als Krebsgift Nr. 1 angesehenen Tetrachlordibenzodioxins, kurz auch TCDD oder Dioxin, denn das in Brokkoli wie auch in Kohl und Blumenkohl enthaltene Indolcarbinol wird im Magen in Moleküle umgewandelt, die im Körper die gleichen Enzymreaktionen ablaufen lassen wie TCDD. Aber dieses ‚natürliche’ Dioxin scheint anders als das künstliche, von dem man glaubt, daß es über die Verpackungsmaterialien unser Obst oder unser Gemüse verunreinigen könnte, niemand um den Schlaf zu bringen.“ Heinz Hug schreibt, dass im Brokkoli pro Kilogramm 500 Milligramm Indolcarbinol enthalten sind, ein Erwachsener am Tag deshalb nicht mehr als ein Milligramm Brokkoli zu sich nehmen dürfte, wenn man den „Grenzwert“ für Brokkoli so wie bei synthetischen Pestiziden festsetzt. Und Ames et al. wissen: Vergleicht man das kanzerogene Potential von TCDD mit dem von Alkohol, so entspricht die für TCDD festgesetzte Referenzdosis einem Bier in 345 Jahren. „Würde man die gleichen Maßstäbe für Gemüse wie für Pflanzenschutzmittel anlegen, so dürften einige Gemüse wie Broccoli oder Soja nicht einmal als Pestizid auf dem Acker verteilt werden;“ meint der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer in einem Interview mit Maxeiner – Miersch. Und Krämer-Mackenthum weisen auf die große Zahl von Chemikalien hin, die in Himbeeren nachgewiesen wurden, darunter das für die Leber gefährliche Cumarin. Sie schreiben: “Würden Himbeeren, statt in der Natur zu wachsen, künstlich hergestellt, müssten sie laut deutschem Lebensmittelrecht verboten werden.“

Professor Ames, der auf die große Zahl der natürlichen Pestizide, die Krebs verursachen, hingewiesen hat, will damit keineswegs behaupten, dass der Konsum dieser Gifte mit unserer Nahrung besonders gefährlich ist. Die kanzerogene Wirkung im Tierversuch beruhe nicht auf dem Pestizid an sich, sondern auf der hohen Dosis. Die Dosisabhängigkeit toxischer Wirkungen ist keine neue Einsicht, sondern wurde bereits von Paracelsus formuliert: „Alle Ding sind Gift und nicht’s ohne Gift: allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist“ Ob ein Ding ein Gift ist, hängt allein von der Dosis ab. Die Abhängigkeit aller toxischen Wirkungen von der Dosis hat man auch als Grundgesetz der Toxikologie bezeichnet. Unterhalb einer bestimmten Schwellendosis gibt es keine toxischen Wirkungen mehr.

Wenn aber die Mengen an kanzerogenen Pestiziden, die in Pflanzen vorkommen, ungefährlich sind, dann gilt das für die synthetischen Pestizide, deren Mengen im Durchschnitt weniger als ein zehntausendstel der Mengen an natürlichen Pestiziden betragen, erst recht. Wenn in der Öffentlichkeit geringste Überschreitungen der festgesetzten Grenzwerte für synthetische Pestizide skandalisiert werden, lenkt das die Aufmerksamkeit nur von den wirklichen mit der Nahrungsaufnahme verbundenen Gefahren ab. Es blüht lediglich das Geschäft mit der Angst, die Greenpeace und Gesinnungsfreunde im esoterisch industriellen Komplex schüren, um Werbung für sich zu machen und höhere Spendeneinnahmen zu erzielen.

Ende des dritten Kapitels über Biolandwirtschaft

Wenn Europa sich allein durch ökologische Landwirtschaft ernähren wollte, so brauchte man 28 Millionen Hektar zusätzliches Ackerland. Das ist gleich der Fläche aller Wälder in Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Deutschland!

Wenn Kunstdünger durch Naturdung ersetzt werden sollte, müssten allein in den USA nahezu eine Milliarde zusätzliche Tiere gehalten werden. Um sie zu füttern, brauchte man 8,1 Millionen km2 zusätzliche landwirtschaftliche Nutzfläche. Das entspricht der gesamten Landfläche der USA ohne Alaska!

Wenn die ökologische Landwirtschaft weltweit ausgeweitet wird, wie es den Grünen bei uns und in den andern Ländern vorschwebt, und man nicht bereit ist, unsere Wälder abzuholzen, wird es wegen des deutlich geringeren Angebots und der Inelastizität der Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu einem dramatischen Preisanstieg kommen. Millionen Menschen in den ärmsten Ländern dieser Welt werden verhungern. Nur die von den Grünen verteufelte „industrialisierte“ Landwirtschaft ist in der Lage, die jährlich um fast achtzig Millionen Menschenwachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Man kann sich fragen, wie es möglich ist, dass die angesichts der geschilderten Konsequenzen als kriminell anzusehende Forderung nach möglichst großer Ausweitung der Biolandwirtschaft ungerügt vertreten werden kann. Wie kann es sein, dass der unbescholtene Staatsbürger zur Mitwirkung an diesem desaströsen Projekt gezwungen wird, weil er Steuern zahlen muss, damit der Ökolandbau subventioniert werden kann. Natürlich ist es nicht kriminelle Gesinnung, sondern „der angespannte Politmoralismus ideologisch formierter gemeinsinnstransdenter Gesinnung“ (Hermann Lübbe), der dies möglich macht. Den ideologisch Gläubigen sind Zweifel an der eigenen moralischen Integrität fremd.

Auch der Käufer von Bioprodukten sollte erkennen, dass er ein moralisches Problem hat. Im Ergebnis handelt er so wie ein Käufer konventioneller Nahrungsmittel, bei dem täglich ein Drittel der gekauften Lebensmittel auf dem Müll landet. Natürlich muss keiner verhungern, weil jemand Bioprodukte kauft. Aber auch wer weit über das unvermeidliche Maß für CO2-Emissionen verantwortlich ist, trägt nicht dazu bei, dass sich in irgendeinem noch messbaren Maße der Klimawandel beschleunigt. Dennoch halten es gerade die Ökos für unmoralisch, CO2 ohne Rücksicht auf die Umwelt zu emittieren. Es gibt keinen Grund, den Kauf von Biolebensmitteln anders zu beurteilen.

Aus dem Vierten Kapitel: Der „Dioxin-Skandal“ und die EHEC-Katastrophe

Anfang des vierten Kapitels:

Die Wutbürger rasteten aus. Mit Hasstiraden, Drohungen und wüsten Beschimpfungen legten sie los. Die grüne Volksseele machte mobil. Der von den Medien gewissenlos geschürte Volkszorn kochte hoch, „der nackte Affe reagiert, wie er es aus dem Urwald kennt“. (Walter Krämer).

Gegen den Geschäftsführer Sievert der Firma Harles und Jentzsch und drei seiner Mitarbeiter gab es Morddrohungen, die Mitarbeiter wurden als Mörder beschimpft und unter anderem mit den Worten „wir machen Euch fertig“ bedroht. Im Internet ließen die Wutbürger die Sau raus. Walter Krämer zitiert einige der Stimmen der kochenden Volksseele aus den Netzseiten von Bayern Radio: „Exempel starten!: Panscher im Schnellverfahren einsperren.“ „Firmeninhaber in die JVA. Komplettes Vermögen einziehen und an die Geschädigten verteilen.“ „Einfach Knast!!... 50 Jahre Haft, und nach 49 Jahren wird über Bewährung gesprochen!! Ganz einfach! Oder?“ „Wann werden solche schmutzigen Verbrechen endlich mal auf das Härteste bestraft? Das sind die Folgen einer neoliberalen irrsinnigen Politik.“ „Wir werden betrogen, abgezockt und unsere Regierung macht Gesetze nur für die Konzerne.“

Als der Volkszorn kochte, war das für viele Politiker die Gelegenheit, auch ihr Süppchen zu kochen, dem nackten Affen Zucker zu geben und sich als Verbraucherschützer zu profilieren. Man forderte härteste Bestrafung der Verbrecher, hartes Durchgreifen der Justiz und meinte, wie der bayrische Umweltminister Markus Söder: „Lebensmittelvergifter gehören ins Gefängnis.“

Jürgen Trittin verlangte, Ministerin Ilse Aigner zu entlassen. Eine Ministerin, die das bestehende strukturelle Problem der deutschen Landwirtschaft nicht erkenne, sei fehl am Platz. Auch Bärbel Höhn verlangte den Rücktritt Aigners, weil sie nur eine Ankündigungsministerin sei. Natürlich wusste auch Renate Künast, daß Frau Aigner ein „Totalausfall“ ist und verlangte Konsequenzen. „Ich fordere die Bundeskanzlerin auf, Frau Aigner zu entlassen.“ SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangt, schwere Geschütze gegen die gemeingefährliche Kriminalitätsform einzusetzen und forderte den damaligen Innenminister Thomas de Maiziere auf, das Bundeskriminalamt gegen die Futtermittelmafia einzuschalten!

Die Grünen forderten eine Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft. Ihre Anhänger und 120 Organisationen hatten in Berlin für den 22. Januar 2011 zur Demonstration für einen „Systemwechsel“ (sic) aufgerufen.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg erhob Anklage gegen den Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium Friedrich-Otto Ripke und den früheren Ministeriumssprecher Gerd Hahne. Sie dehnte die Ermittlungen auf Mitarbeiter des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus. Es werde geprüft, ob Dienstgeheimnisse verletzt worden seien.

Ein Arzt aus Havixbeck bei Münster (der wohl seine Approbation bei einer Karnevalssitzung erworben hat), zeigte die Firma Harles und Jentzsch an und warf ihr schwere Körperverletzung und versuchten Mord aus Habgier vor!

China und Südkorea stoppten die Einfuhr von Eiern und Schweinefleisch aus Deutschland.

Was war geschehen?

Die Firma Harles und Jentzsch GmbH stellt Futterfette als Mischfutterbestandteil für die Landwirtschaft her. Die Futterfette werden direkt oder über spezielle Weiterverarbeiter an die Mischfutterindustrie geliefert und dort Futtermitteln beigemischt. Ende 2010 wurde bekannt, dass Harles und Jentzsch nach Behördenangaben 2010 mindestens 3.000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett aus angeliefertem, belastetem Industriefett hergestellt und zur Weiterverarbeitung an einige Dutzend Mischfutterhersteller in ganz Deutschland vertrieben hat. Das belastete Fett kam von einem niederländischen Händler, der es von einem Produzenten von Biodiesel bezogen haben will.

Über das Futter gelangte das Dioxin in einige Produkte, vor allem in Eier und Schweinefleisch. Die toxikologisch nicht begründeten Höchstwerte wurden bei Eiern und Schweinefleisch in einigen Fällen überschritten. In Niedersachsen registrierten die Behörden bei einem Schwein einen leicht überhöhten Grenzwert. Von 89 untersuchten Eiern von Höfen, die das dioxinbelastete Futter bezogen hatten, wiesen acht einen erhöhten Dioxingehalt auf, der den gesetzlichen Höchstwert um das 1,1 bis zum vierfachen übertraf. In Nordrhein-Westfalen wurden vom Untersuchungsamt Münster 163 Proben untersucht. Überschreitungen der Grenzwerte fanden sich bei drei Eier- und zwei Hühnerfleischproben.

Es wurden bundesweit in fünf Bundesländern zeitweise 5.000 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner rechnete mit einem Schaden von mehr als 100 Millionen Euro wegen der Sperrung von Höfen. Ein Mehrfaches an Schaden gebe es aber durch Umsatzeinbrüche bei Schweinefleisch und Eiern. Der Schweinepreis ging in wenigen Wochen um 20 Prozent zurück. Für viele Familienbetriebe war das existenzgefährdend.

Die Medien machten mit diesem „Skandal“ wochenlang auf. Das grüne Panikorchester, dirigiert von den Anhängern der Grünen in Funk und Fernsehen, spielte in maximaler Lautstärke. Die Produkte, bei denen die Grenzwerte nur knapp überschritten waren, wurden als „verseucht“ und wegen des Dioxingehalts als „krebserregend“ bezeichnet.

Wahr ist: Die Gesundheit der Verbraucher war durch die Eier und das Schweinefleisch, bei denen die Grenzwerte überschritten wurden, zu keinem Zeitpunkt auch nur im Geringsten gefährdet. Selbst wenn die Verbraucher sich mit den belasteten Eiern wochenlang vollgestopft hätten, hätte es auch nicht den Hauch eines gesundheitlichen Risikos gegeben. Was uns von den Medien und Grünen wie Künast, Trittin und Höhn vorgeführt wurde, war ein Stück aus dem Tollhaus! Der „Dioxin-Skandal“ war nichts anderes als ein Medienskandal.

Aus dem fünften Kapitel: „Die Opfer der Ökohysterie

Ende des Kapitels

Die Ächtung von DDT

Doch die Anti-DDT-Bewegung, die sich nach der Veröffentlichung des „Stummen Frühlings“ zunächst in den USA bildete, war nicht geneigt, wissenschaftlichen Einsichten Beachtung zu schenken. Man suchte, DDT zu verbannen, zum Schaden der Ärmsten in der Welt. Die amerikanische Umweltorganisation „Environmental Defense Fund“ startete eine nationale Kampagne und zog wegen des Einsatzes von DDT vor Gericht. Die nichtstaatliche Organisation kämpfte für ein Verbot von DDT. Auf Druck der Umweltschützer wurden von der neu gegründeten „Environmental Protection Agency“, einer Behörde der Regierung der Vereinigten Staaten zum Schutze der Umwelt und der menschlichen Gesundheit, in den Jahren 1971 und 1972 umfassende Anhörungen abgehalten, in denen 125 Autoren zu Wort kamen, die Manuskripte von insgesamt mehr als 9.300 Seiten verfasst hatten.

Der Vorsitzende Richter Sweeney nannte als Ergebnis der Anhörungen: DDT ist keine karzinogene Gefahr für den Menschen. Es ist nicht erbschädigend und erzeugt keine Missbildungen. Es hat keine schädlichen Auswirkungen auf Fische, Vögel oder andere wild lebende Tiere. Er empfahl, kein Verbot gegen DDT auszusprechen.

Doch William Ruckelshaus, der Leiter der Environmental Protection Agency, der nicht einen einzigen Tag während der siebenmonatigen Anhörungen anwesend war, und dessen Mitarbeiter berichteten, er habe die Manuskripte auch nicht gelesen, erließ für die USA ein Verbot von DDT. Er machte die Anhörungen, bei denen die Gegner von DDT schlecht aussahen, zu einer sinnlosen Farce. Ruckelshaus gebührt wohl ein besonderer Rang auf der langen Liste grüner Gesinnungstäter.

Mit welchen Mitteln die Umweltaktivisten arbeiteten, zeigt folgender Vorgang. Einige renommierte Wissenschaftler, unter ihnen Friedensnobelpreisträger Norman Borlaugh, die sich für DDT einsetzten, wurden diffamiert und in der „New York Times“ als „bezahlte Lügner“ (“paid liars) bezeichnet. Es stellte sich heraus, dass man sich zuvor bei Treffen des „Environmental Defense Funds“ verabredet hatte, gegen alle, die sich für DDT einsetzten, eine Verleumdungskampagne zu führen.

Nach der Berufungsverhandlung, (in erster Instanz wurden die Verleumder verurteilt), erklärte der Richter, dass es ohne Zweifel eine Verleumdung sei, die Kläger bezahlte Lügner zu nennen. Keine Behauptung sei besser geeignet, die akademische Reputation der Beleidigten zu ruinieren. Jemand einen bezahlten Lügner zu nennen, bedeute, dass man ihm vorwerfe, er sei korrupt. Ein solcher Vorwurf müsse durch Tatsachen gedeckt sein. Es sei unstreitig, dass es eine solche durch Fakten gedeckte Basis für die Behauptungen nicht gebe.

Der Vorgang ist ein trauriges Beispiel für die Selbstermächtigung zur moralischen Entwürdigung Andersdenkender, zum Verstoß gegen moralische Mindeststandards und Persönlichkeitsrechte unter Berufung auf das vermeintlich höhere Recht einer moralisch guten Sache ‒ nämlich der Erhaltung der Umwelt, der Bewahrung der Schöpfung etc. Wer derart hehre Ziele verfolgt, darf nicht zimperlich sein. Grüne Gesinnungstäter kennen keine moralischen Skrupel. „Uns ist alles erlaubt“ war nicht nur das Motto der Tscheka.

Das Verbot von DDT in den USA war der Beginn einer weltweiten Ächtung von DDT. Umweltschutzorganisationen in vielen Ländern starteten Kampagnen gegen das angeblich schädliche Insektizid. Die internationalen Hilfsorganisationen und die meisten nationalen Hilfsorganisationen vergaben Mittel an Entwicklungsländer nur noch unter der Bedingung, dass kein DDT im Kampf gegen Malaria eingesetzt werde. Sie wurden so zu Agenturen im Dienste des Ökoimperialismus. Es gelang ihnen leider die Weltgesundheitsorganisation, die eigentlich das Leben der Menschen vor Krankheiten, die durch Insekten übertragen werden, schützen sollte, vor ihren tödlichen Karren zu spannen. Heute wird DDT nur noch in Indien und China hergestellt, zwei Länder, die sich dem Druck der USA und der EU widersetzen konnten.

Die Umweltaktivisten starteten im Jahr 2000 eine Kampagne, mit dem Ziel, alle persistenten organischen Stoffe zu verbieten. Es sollte weltweit der Einsatz von DDT für alle Belange, also auch der Einsatz zum Zweck der Malariabekämpfung, verboten werden. Vor allem die wohlhabenden Staaten des Westens, aber natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie WWF und Greenpeace wollten das Verbot. Tatsächlich kam es zu der Konvention von Stockholm über persistente organische Schadstoffe. Doch in letzter Minute wurde für DDT eine Ausnahme zugelassen. Vierhundert Wissenschaftler aus der ganzen Welt, unter ihnen mehrere Nobelpreisträger der Medizin, hatten sich für die weitere Verwendung von DDT für Gesundheitszwecke eingesetzt. Auch die Tatsache, dass die letzte Sitzung in Südafrika stattfand, mag zu diesem Erfolg für die Ärmsten in der Welt beigetragen haben.

Die unheilvollen Konsequenzen des Drucks der Geberländer

Doch trotz dieses Sieges der Wissenschaft und der Vernunft setzten die Weltgesundheitsorganisation, das United Nations Environment Program (UNEP), UNICEF, die Weltbank und die meisten nationalen Hilfsorganisationen und natürlich auch die berüchtigten Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace und andere ihre Bemühungen fort, DDT zu verbannen. Es war und blieb üblich, Mittel an Entwicklungsländer nur unter der Bedingung zu vergeben, dass sie nicht für den Kauf von DDT eingesetzt werden.

Im Jahr 1997 vergab die Weltbank einen Kredit in Höhe von 165 Millionen Dollar an Indien. Die Mittel durften aber nicht für DDT ausgegeben werden, sondern nur für das doppelt so teure Insektizid Pyrethroid. Es konnten also bestenfalls nur halb so viele Einwohner vor Malaria geschützt werden wie bei einem Einsatz von DDT.

Ein besonders scheußliches Beispiel ist der Druck auf Eritrea. 50 Prozent der Sterbefälle und 60 bis 80 Prozent der Krankheiten sind Folgen von Malaria. Es gab im ganzen Land nur 145 Ärzte und 391 Krankenschwestern. Die Weltbank, UNICEF, und USAID vergaben Kredite. Aber das Geld durfte nicht für das wirksamste und billigste Mittel, nämlich DDT ausgegeben werden, die Weltbank verlangte, dass am Ende des zweiten Jahres auf DDT in Eritrea völlig verzichtet wird.

In Mosambik sind die Behörden dringend ermahnt worden, kein DDT in ihren Malariaprogrammen einzusetzen. Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt und für den Kampf gegen Malaria völlig von Hilfe abhängig. Der Einsatz von DDT wäre gerade in diesem Land sinnvoll gewesen, weil DDT billig, leicht zu verwenden und hocheffektiv ist. Der Einsatz von DDT war umso dringender, weil der dortige Malariaüberträger gegen das bis dahin eingesetzte synthetische Pyrethroid resistent geworden war und synthetisches Pyrethroid anders als DDT keine abstoßende Wirkung hat. Doch die in Mosambik tätigen norwegischen und schwedischen Hilfsorganisationen wie auch USAID lehnten den Einsatz von DDT ab.

Aber Mosambik ist beileibe kein Einzelfall. In Bolivien übte USAID Druck auf die Regierung aus und zwang sie, auf den von ihr gewünschten Einsatz von DDT zu verzichten. Als Bolivien dem internationalen Druck nachgab und DDT absetzte und Bettnetze und andere Mittel einsetzte, stieg die Infektionsrate von 1993 bis 2005 um 80 Prozent. In Madagaskar versuchte das United Nations Development Programme (UNDP) die Regierung zu veranlassen, nicht länger DDT einzusetzen, aber Madagaskar, wo mehr als 100.000 Menschen an Malaria gestorben waren, nachdem der Einsatz von DDT nach 1986 eingestellt worden war, weigerte sich glücklicherweise später, dem Druck nachzugeben. Die Malariafälle sanken nach der Wiederaufnahme des DDT-Einsatzes um 90 Prozent.

Auch wenn es kein eindeutiges Verbot für den Einsatz von DDT gibt, ist oft ein de facto-Bann wirksam. Jorge Polanco vom Gesundheitsministerium in Belize berichtet, dass die Malaria so gut wie ausgerottet war, nachdem man in den sechziger Jahren die Hausinnenwände mit DDT besprüht hatte. Als sein Land in den achtziger Jahren auf den Einsatz von DDT verzichtet hatte, stiegen die Malariafälle sprunghaft an. Als man versuchte, wieder DDT einzusetzen, war man nicht mehr in der Lage, DDT zu beschaffen, nachdem das letzte Werk, in dem im Westen DDT hergestellt worden war, in Mexiko geschlossen worden war. Man war gezwungen, Deltmethrin einzusetzen, ein Pyrothreoid, das drei bis vier mal so teuer war als DDT.

Als Südafrika, wohl auch wegen des internationalen Drucks, 1996 den Einsatz von DDT beendete, stellte man fest, dass der gefährlichste Überträger der Malaria schon bald gegen das Pyrethroid, das anstelle von DDT verwendet wurde, resistent wurde. Schon 1997 waren die Malariafälle in den am meisten gefährdeten Provinzen um fast das Fünffache gestiegen. Die Zahl der Malariatoten stieg bis 2001 um nahezu das Fünzehnfache. Nachdem man neben anderem DDT wieder eingesetzt hat, sank die Zahl der Malariafälle in der besonders gefährdeten Provinz KwaZulu um rund 80 Prozent. Man hat mit Recht gefragt, wie die viel ärmeren Länder in Afrika südlich der Sahara die Malaria erfolgreich ohne DDT bekämpfen sollen, wenn nicht einmal das reichere, wissenschaftlich fortgeschrittene Südafrika, in der Malaria weniger endemisch als in den ärmeren Ländern ist, den Kampf ohne DDT erfolgreich führen kann. Kann es verantwortet werden, diese Länder dazu zu zwingen?

Ein Land, das in besonderem Maße von Malaria geplagt wird, ist Uganda. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung sind durch Malaria bedroht. Von sieben Kindern unter fünf Jahren stirbt ein Kind an Malaria. Im Jahr 2003 kündigte der Gesundheitsminister an, dass seine Regierung im Kampf gegen Malaria auch auf DDT zurückgreifen wolle. Die Ankündigung stieß sofort auf Widerspruch. Die Europäische Union drohte, Produkte der Landwirtschaft könnten von der EU zurückgewiesen werden, wenn DDT in Uganda zur Bekämpfung der Malaria eingesetzt würde. Die Bekämpfung der Malaria durch DDT begann dennoch Anfang 2008. Die Malariafälle und die Zahl der Malariatoten sanken schon nach kurzer Zeit. Doch schon wenig später klagten die Exporteure landwirtschaftlicher Produkte, weil ihre Absatzchancen auf dem europäischen Markt durch DDT vermindert wurden. Sie erhielten vor dem Obersten Gerichtshof Recht und das Programm musste beendet werden. Die Europäische Union hatte das arme Land vor die Alternative gestellt: Tod durch Malaria oder noch mehr Armut!

Die Opfer der Panikmafia

„Im Jahre 2006 nach 25 Jahren und 50 Millionen vermeidbarer Todesfälle hat die Weltgesundheitsorganisation ihren Kurs geändert und den allgemeinen Einsatz von DDT zum Zwe-

cke der Malariabekämpfung gebilligt“ schrieb das „Wall Street Journal“.

Die Kursänderung fand statt, nachdem Dr. Arati Kochi von dem Generaldirektor der WHO beauftragt worden war, das Globale Malaria Programm der Weltgesundheitsorganisation zu leiten. Weil Kochi bisher nicht in der Malariabekämpfung der WHO tätig gewesen war, brauchte er sich bei seinen Entscheidungen nicht für frühere Positionen der Organisation zu rechtfertigen. Er erklärte, dass er seine Mitarbeiter und Malariaexperten in der ganzen Welt befragt habe und dabei erkennen musste, das bisher ein mächtiges Instrument im Kampf gegen Malaria und für die Rettung des Lebens von fast einer Million Kindern vor allem in Afrika nicht eingesetzt wurde: DDT. Es war ein erfreuliches Zeichen, dass nun auch einige andere Organisationen wie USAID die Verwendung von DDT empfahlen, um die Innenwände von Häusern zu besprühen.

Die segensreichen Wirkungen der Kehrtwende der WHO hat Jürgen May, Mediziner am „Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin“ in Hamburg, in Ghana aus nächster Nähe beobachte können. Die Wirkung von DDT, das in den Häusern auf die Wände versprüht wurde, war „durchschlagend“. So sank die Anzahl der Malaria-Patienten in einem Krankenhaus in Ghana von über 6.000 pro Monat auf unter 40, seit die Behörden regelmäßig Wohnhäuser mit DDT besprühen. „Zu meiner Überraschung war die Kinderstation praktisch leer.“ Vor fünf Jahren sei das noch anders gewesen. „Damals lagen die Kinder auf Matratzen auf dem Boden, weil das Krankenhaus so voll war“, erinnert sich der Arzt.

Die Entscheidung von Dr. Kochi stieß aber vor allem bei vielen Umweltorganisationen auf Ablehnung und erbitterten Widerstand. Die Gutmenschen setzten ihren todbringenden Kampf gegen DDT zu Lasten der Ärmsten in der Welt fort. Und leider musste Dr. Kochi, der sich durch seine brüske Art viele Feinde gemacht hatte, schon nach kurzer Amtszeit aus Gründen, die mit seiner Amtsführung nichts zu tun hatten, zurücktreten. Schon im Mai 2009 berichtete das „Wall Street Journal“, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO im Stillen wieder dazu übergegangen sei, weniger effektive Mittel im Kampf gegen Malaria einzusetzen. Das sei ein Sieg der Politik über die öffentliche Gesundheit, der zur Folge habe, dass Millionen der Armen dieser Welt leiden werden.

Der Sieg über DDT ist vor allem ein Erfolg der Angstkampagnen der erstaunlich mächtigen Umweltschutzorganisationen. Sie haben die Tierwelt nicht gerettet, aber das Risiko an Malaria zu erkranken oder zu sterben für Milliarden von Menschen erhöht. Sie sind reich und leider ungewöhnlich einflussreich. Sie sind keiner Regierung und auch nicht den Menschen irgendeines Landes verantwortlich. Sie können für Ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Da sie angetreten sind, unseren Planeten zu retten, wissen sie, dass sie immer nur Gutes tun. Als Gesinnungstäter haben sie allzeit ein gutes Gewissen.

Es kann kaum mit hinreichender Sicherheit geschätzt werden, wie viele Tote die unheilvollen Angstkampagnen der Anti-DDT-Lobby gefordert haben. Dennis Avery hat geschätzt, dass mindesten 30 Millionen Menschen unnötig an Malaria und Gelbfieber wegen des Nichteinsatzes von DDT gestorben sind, von denen die meisten hilflose Kinder waren. Robert W. Dwadz von den National Institutes of Health hat gemeint, dass der Bann auf DDT 20 Millionen Kinder getötet haben mag. Solche Schätzungen sind umstritten. Man wird aber mit hinreichender Sicherheit davon ausgehen können, dass viele Millionen Menschen in den armen Ländern die Opfer der von den entwickelten Ländern des Westens gesteuerten Kampagnen geworden sind. Die Umweltorganisationen, die das zu verantworten haben, sollten verdammt werden, schreiben Donald Robert und Richard Tren am Ende ihres Buches. Doch leider sind sie niemandem verantwortlich und werden bei uns wie in den USA bei allem, was sie auch tun, von den zahlreichen Anhängern in den Medien bedingungslos unterstützt.

Aus dem sechsten Kapitel:Ökoimperialisten gegen Grüne Gentechnik“

Ende dieses Kapitels

Ökoimperialismus

In den Jahren 2001 und 2002 wurde der Süden Afrikas von einer außergewöhnlichen Trockenheit heimgesucht, die das Leben von 15 Millionen Menschen in sieben Ländern bedrohte. Eine Lieferung von 15 000 Tonnen Mais (darunter rund ein Drittel GV-Mais) aus den USA wurde von der Regierung von Simbabwe abgewiesen, weil es möglich sei, dass die Maiskörner gepflanzt werden könnten. Dies aber würde den Export des Landes nach Europa gefährden. Die Vereinigten Staaten boten an, den Mais zu mahlen, so dass er nicht gepflanzt werden könne. Ein Teil der Maislieferung war in das nördliche Sambia geliefert worden. Sambia hatte seit sechs Jahren den Mais akzeptiert, man hatte ihn gegessen. Doch dieses Mal war es anders. „Nur weil wir hungrig sind, so rechtfertigt das doch nicht, uns zu vergiften, uns Nahrung zu geben, die unsere Gesundheit gefährdet,“ sagte Präsident Levy Mwanawasa. „Wir sterben lieber als Gift zu uns zu nehmen.“ Und Emily Sikazwe Präsidentin einer lokalen Nichtregierungsorganisation, die von westlichen Organisationen finanziert wurde, erklärte: „Ja, wir verhungern, aber wir sagen nein zu der Nahrung, die die Amerikaner in unsere Hälse stopfen wollen.“

Vor einem Lagergebäude in Shimbala, Sambia, wo der Mais gelagert wurde, so berichtet die Los Angeles Times, bat ein blinder alter Mann, den Mais freizugeben. „Bitte gebt uns die Nahrungsmittel. Uns ist es egal, ob der Mais vergiftet ist. Wir sterben sowieso.“ Die Einwohner Sambias auf dem Lande ernährten sich von Blättern, Zweigen, und sogar giftigen Beeren und Nüssen, schrieb die Los Angeles Times. In Sizanongwe, einer Stadt 300 km nördlich von der Hauptstadt, überwältigten die Einwohner die Wächter eines Lagerhauses und erbeuteten einige tausend Säcke mit Nahrungsmitteln, bevor diese entfernt werden konnten. Die Weltgesundheitsorganisation schätzte, dass 2,3 Millionen Sambier vom Hungertod bedroht seien. Lieferungen von identischem Mais aus den USA wurden in Lesotho, Malawi und Swasiland akzeptiert. Simbabwe akzeptierte den Mais, nachdem er gemahlen war.

Die tödliche Änderung der Politik in einigen afrikanischen Staaten war das Ergebnis einer konzertierten Aktion von Nichtregierungsorganisationen aus Europa, die die Afrikaner das Fürchten vor genverändertem Mais lehrten. Südafrika, das nicht in gleicher Weise von den europäischen Ländern abhängig ist wie andere afrikanische Staaten und auch die wissenschaftliche Kapazität hat, sich ein eigenes Urteil über gentechnisch veränderte Pflanzen zu machen, hatte 2002 schon gentechnisch modifizierte Baumwolle, Sojabohnen und den dort beliebten weißen Mais angebaut. Andere afrikanische Staaten haben dem tödlichen Druck der Europäer weniger entgegenzusetzen.

Die widerliche Kampagne wurde von Greenpeace International und Friends of the Earth International geführt. Die Verantwortlichen in Sambia und in anderen Ländern waren nach den Belehrungen durch die genannten Organisationen der Meinung, dass GV-Produkte Allergien auslösen, Krebs verursachen, ihre Verdauung stören, Aids verbreiten und Gene von Schweinen enthalten. Afrikaner sollten als Versuchskaninchen benutzt werden. Die Akzeptanz der gentechnisch veränderten Produkte werde ihren Ländern jegliche Chance nehmen, landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Europa zu exportieren.

Die Kultfigur der amerikanischen Grünen Stewart Brand schreibt: „So wie es sich lohnt, zu wissen, wer geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Exon Mobil war, als das Unternehmen Millionen ausgab, um den Klimawandel zu diskreditieren, so sollte man sich daran erinnern, wer Greenpeace International (Thilo Bode, danach Gerd Leipold) und Friends of the Earth International (Ricardo Navarra) führte, als diese Organisationen alles daran setzten, die Afrikaner davon zu überzeugen, dass im Dienste der Ideologie der Hungertod gut für sie sei.“ Auf der langen Liste grüner Gesinnungstäter nehmen die Erwähnten einen Spitzenplatz ein.

Andrew Natsios, der damalige Direktor der amerikanischen Entwicklungshilfebehörde US AID, beschuldigte die Nichtregierungsorganisationen das Leben von Millionen durch den Hunger bedrohter Afrikaner zu gefährden. Er meinte, sie sollten diese Spiele mit den Europäern spielen, die volle Mägen haben, doch sei es abstoßend und verabscheuungswürdig, das zu tun, wenn es um das Leben von Afrikanern geht.

Robert Zoellick, der damals amerikanischer Handelsbeauftragter bei der Welthandelsorganisation war, schrieb in einem Leserbrief an das „Wall Street Journal“, dass der europäische Nebel aus Desinformation und Protektionismus in Bezug auf Biotechnologiepolitik tödliche Konsequenzen habe. Die Afrikaner, die sich weigerten, den Hungertod zu vermeiden, indem sie die gleichen Lebensmittel essen wie die Europäer, wenn sie in den USA sind, hätten ihm ihre Sorgen vor europäischen Vergeltungsmaßnahmen geschildert. Er fordert die Europäische Kommission auf, sich über das Treiben der Nichtregierungsorganisationen, die durch Brüssel finanziert werden, zu informieren.

Die EU stellte radikalen Organisationen zur Unterstützung von Antibiotechnologie-Aktionen allein zwischen 1998 und 2002 etwa 250 Millionen Euro zur Verfügung!

Das „Wall Street Journal“ meinte: Die grüne Brigade, die ihre politische Opposition gegen genetisch veränderte Nahrung auf Pseudowissenschaft stützt, bejubelt Sambias Intransigenz. Die Bereitschaft von Greenpeace, Friends of the Earth und anderen, Afrikaner im Namen einer fremden Ideologie hungern zu lassen, ist wirklich bemerkenswert.

Stewart Brand kommentiert: “…the environmental movement went sociopathic in Africa.”

Soziopathie wird in Wikipedia definiert als „die neuropathologisch bedingte Unfähigkeit, soziale Kompetenzen wie Mitgefühl, Einfühlungsvermögen und Unrechtsbewusstsein zu entwickeln.“



Aus dem achten Kapitel: „Der Grünen liebstes Kind: das EEG“

Anfang des achten Kapitels

Das wichtigste Gesetz, mit dem bei uns die regenerativen Energien gefördert werden, ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das von der rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder mit dem Umweltminister Jürgen Trittin am 29. März 2000 erlassen wurde. Es wurde inzwischen mehrfach (2004, 2009, 2012 und 2014) novelliert. Es hatte einen Vorläufer in dem seit 1991 geltenden Stromeinspeisungsgesetz. Schon bei diesem Vorläufer spielte Klientelpolitik eine besondere Rolle. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Engelsberger war als Besitzer eines kleinen Wasserkraftwerks mit den Preisen, die er für den von ihm produzierten Strom erzielte, unzufrieden. Er arbeitete zusammen mit dem Grünen-Abgeordneten Daniels ein Gesetz aus, das festlegte, dass der Staat die Preise für erneuerbare Energien fixiert, also auch den Preis bestimmte, den er für den aus seinem Wasserkraftwerk erzeugten Strom erhielt.1 Für Wasserkraft wurde ein Preis von sieben Cent festgelegt, ein Preis der damals weit über den Durchschnittskosten der Stromerzeugung lag.2 Das ist natürlich nichts im Vergleich zu den gigantischen Summen, die später an die Profiteure des EEG geflossen sind und die grüne Klientel reich machten.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz: Ein Stück aus dem Tollhaus.

Machen wir uns das zuvor an drei Parabeln klar.

Nehmen wir an, A. beauftrage B., zwei Flaschen Gin für ihn zu kaufen. A. übergibt B. die erste Flasche und verlangt einen Preis von 25 Euro. Für die zweite identische Flasche verlangt er einen Preis von 350 Euro. A. meint, das sei wohl ein absurder Scherz. B. aber erklärt, dass dies mitnichten ein Scherz sei, A. müsse den verlangten Preis zahlen. Dies sei die Rechtslage. In einem zweiten Schritt stellt sich heraus. dass die teure Flasche gar nicht geliefert wird. A. aber muss trotzdem zahlen. Was geht hier vor? Handelt es sich um eine Gesellschaft im Griff der sizilianischen Mafia? Hat es A. und B. in das Herrschaftsgebiet Lukaschenkos verschlagen? Die Wahrheit ist: Es handelt sich um die Bundesrepublik Deutschland im Griff des grünen Wahns. Natürlich geht es dabei nicht um Gin. Es geht um den Preis, der von der Gesellschaft für die Vermeidung einer Tonne CO2 zu zahlen ist. Nicht ein einzelner, wie in unserem Beispiel, sondern alle werden hier zur Kasse gebeten. Nicht einmal, sondern Jahr für Jahr müssen Unsummen gezahlt werden. Und wie wir sehen werden: Für nichts und wieder nichts!

Oder nehmen wir an, man würde „Supermärkte zwingen, jede Menge an biologisch angebauten Äpfeln abzunehmen – zu Preisen die um hundert bis tausend Prozent über den handelsüblichen Preisen liegen – und ihnen gleichzeitig verbiete(n), die konventionell angebauten Früchte anzubieten, solange die Bioäpfel nicht ausverkauft sind.“3 Die Supermärkte müssen die Bioäpfel auch dann abnehmen, wenn sie diese gar nicht verkaufen können und für die Entsorgung zahlen müssen. Absurdes Theater? Keineswegs! Das EEG macht’s möglich. Dabei geht es natürlich nicht um Bioäpfel und konventionelles Obst. Doch wenn man Bioäpfel durch Ökostrom und konventionelle Früchte durch Strom aus konventioneller Erzeugung ersetzt, haben wir die Lage, die durch das EEG geschaffen wurde.

Nehmen wir schließlich an, die großen Autos deutscher Premiumherstelller fänden keinen Absatz. Eine Agentur wird beauftragt, sie zum Listenpreis aufzukaufen und zu jedem beliebigen Preis zu verkaufen. Sie erzielt beim Verkauf nur einen geringen Bruchteil des Listenpreises, den sie zahlen musste. Der deutsche Steuerzahler muss die Differenz zahlen. Aberwitzig? Gewiss, doch entspricht es - wie wir sehen werden - der Realität, wenn wir Autos durch Ökostrom ersetzen.

Zweiter Auszug aus dem achten Kapitel

Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass es das Ziel der Politik ist, einen Beitrag zur Verminderung des Klimawandels zu leisten, indem wir den CO2 Ausstoß reduzieren.

Es soll unterstellt werden, dass die Prognosen des Weltklimarates, die anscheinend von einer überwältigenden Mehrheit der zuständigen Wissenschaftler getragen werden, im Wesentlichen zutreffend sind, so dass Bemühungen, weniger CO2 zu emittieren, sinnvoll sind.

Angesichts der Größe der Aufgabe, den CO2-Ausstoß in dem geplanten Umfang zu reduzieren und den horrenden Kosten, die dabei entstehen, kommt dem Ziel, dies mit möglichst geringen Kosten zu tun, überragende Bedeutung zu. Wie kann das Ziel erreicht werden?

Machen wir uns das an einem Beispiel klar. Nehmen wir an, wir haben es mit einer Anzahl Unternehmen zu tun, die CO2 emittieren und die Auflage haben, bestimmte Mengen an CO2 zu vermeiden. Die Kosten, eine zusätzliche Tonne CO2 zu vermeiden, mögen von 10 Euro bis 500 Euro stark variieren. In dieser Situation entstehen offenbar unnötig hohe CO2-Vermeidungskosten. Man kann die Kosten um 490 Euro reduzieren, ohne dass der Ausstoß von CO2 insgesamt verändert wird, indem das Unternehmen mit Grenzvermeidungskosten von 10 Euro eine Tonne CO2 weniger emittiert (also eine Tonne CO2 mehr einspart) und das Unternehmen mit Grenzvermeidungskosten von 500 Euro ein Tonne mehr emittiert (also eine Tonne CO2 weniger einspart). Solche Kosteneinsparungen sind offenbar möglich, wenn die Grenzvermeidungskosten in den Unternehmen unterschiedlich hoch sind. Anders formuliert: eine kostenoptimale Lösung bedeutet, dass die Grenzvermeidungskosten in allen Unternehmen, die den Ausstoß von CO2 vermindern, gleich hoch sind. Man nennt dies auch das Äquimarginalprinzip.

Die Frage ist, wie dieses Ziel in der Praxis erreicht werden kann.

Wenn die Unternehmen gezwungen werden sollen, die CO2-Emissionen zu reduzieren, liegt es nahe, ihnen entsprechende Auflagen zu machen. Eine solche Politik ist für Laien verständlich und kommt deshalb den Vorstellungen der Politiker entgegen, der Bevölkerung deutlich zu machen, dass sie als gute Menschen bestrebt sind, den Klimawandel zu bremsen. Aber selbst wenn die Politiker sich bei den Auflagen um eine kosteneffiziente Lösung bemühen, kann dies nicht gelingen. Sie müssten dann nämlich wissen, wie hoch bei alternativen Auflagen die Grenzvermeidungskosten in den Unternehmen sind. Informationen über diese Kosten haben nur die Untenehmen und selbst diese müssten meist auch erst herausfinden, wie sie die Auflagen am kostengünstigsten erfüllen können. Die Politiker wären also auf Informationen von den Unternehmen angewiesen. Da die Untenehmen aber wissen, dass von ihren Informationen die Auflagen zur Schadstoffemission abhängen, haben sie kein Interesse, die Behörden richtig zu informieren. Es ist dies das gleiche Problem, vor dem die Planer im Kommunismus standen, die auf Informationen aus den Betrieben angewiesen waren, wenn sie ihre Planauflagen festlegen wollten. Die Betriebe aber informierten falsch, denn sie kämpften für einen leichten Plan.

Die Ökonomen haben zur Lösung dieser Aufgabe schon vor hundert Jahren die Auflage einer Steuer vorgeschlagen, die man nach dem Erfinder auch Pigou-Steuer nennt.4 Machen wir uns die Wirkungsweise klar. Nehmen wir an, alle Unternehmen, die CO2 emittieren, müssten pro Tonne CO2–Emission eine Steuer von 20 Euro zahlen. Alle Unternehmen bei denen die Kosten, eine Tonne CO2 zu vermeiden, geringer sind als 20 Euro, werden dies tun und also die Steuer nicht zahlen. Sie werden CO2 einsparen, bis ihre Grenzvermeidungskosten 20 Euro erreichen. Es lohnt sich dann für die Unternehmen nicht, die Emission stärker zu reduzieren, weil die zusätzlichen Kosten der Schadstoffreduktion höher wären als die Steuerersparnis. Wenn alle Unternehmen, die CO2 emittieren, eine Steuer von 20 Euro zahlen, wird jedes einzelne Unternehmen die Bedingung Grenzkosten der Emissionsreduktion gleich Steuersatz erfüllen. Im Ergebnis ist die von uns abgeleitete Bedingung für eine kostenminimale Lösung, dass die Grenzkosten der Schadstoffreduktion in allen Unternehmen gleich sind, erfüllt.

Die Steuerlösung hat den Nachteil, dass man bei Auflage der Steuer nicht weiß, in welchem Maße infolge der Steuer die Schadstoffemissionen reduziert werden. Eine Alternative besteht darin, dass Emissionszertifikate ausgegeben werden. Die Menge an Schadstoffen, die emittiert werden dürfen, der sogenannte „Cap“, ist durch die Anzahl der Zertifikate, die eine Umweltbehörde ausgibt, unmittelbar fixiert. Die Unternehmen dürfen nur CO2 emittieren, wenn sie im Besitz eines Zertifikats sind. Die Unternehmen, die Emissionszertifikate kaufen, erwerben sozusagen das Recht, die Luft verschmutzen zu dürfen, damit Bertold Brechts Satz aus seinem Drama „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“: „Unaufhaltsam ist der Aufstieg dieses Ungetüms, ihm wird Natur zur Ware, selbst die Luft verkäuflich“, wahr wird. Die Zertifikate werden am Markt gehandelt. Es bildet sich ein Preis. Die Unternehmen werden solange die Schadstoffemission reduzieren, wie die Grenzkosten der Emissionsvermeidung geringer sind als der Preis des Zertifikats. Nur wenn Grenzvermeidungskosten höher sind als der Preis, kaufen sie Zertifikate. Als Ergebnis sind die Grenzkosten der Schadstoffvermeidung wie bei der Steuerlösung in allen Unternehmen, die die Emission von Schadstoffen reduzieren, gleich. Die kostenminimale Lösung wird realisiert. Dies ist unabhängig davon, ob die Zertifikate unentgeltlich ausgegeben werden oder gegen einen Preis verkauft oder versteigert werden. Anders als bei der Steuerlösung kennt man nicht den Preis, der sich am Markt bilden wird, wenn der Cap festgelegt wird.

Die EU hat sich von dieser Einsicht leiten lassen, als sie 2003 beschloss, ein System für den Handel mit Emissionsrechten - EU-ETS für CO2 und einige andere gleichartige Treibhausgase zu etablieren. Das Zertifikatsystem, das 2005 in Kraft trat, begrenzt die Menge an CO2, die emittiert werden kann. Erfasst werden die Energieerzeuger und die energieintensiven Branchen wie die Kraftwerke, Raffinerien, Stahlwerke und viele andere. In Deutschland werden etwa 50 Prozent der CO2-Emissionen vom Handel mit Zertifikaten erfasst. Jedes Unternehmen darf nur die Mengen an CO2 emittieren, für die es Zertifikate zugeteilt oder am Markt erworben hat. Der Verkehr und die privaten Haushalte werden nicht durch das Emissionssystem erfasst.

Mit der am 23. April 2009 von der EU beschlossenen dritten Handelsphase gibt die Europäische Kommission eine EU-weite Gesamtobergrenze - den sogenannten Cap - für CO2-Emissionen vor, die im Jahr 2013 auf 1,97 Mrd. Tonnen CO2 festgesetzt wurde Die Menge wird danach jährlich bis 2020 um 1,74 Prozent gesenkt.

Wenn man sich klar gemacht hat, wie eine kostenminimale Lösung aussieht, kann man erkennen, in welch gigantischem Maße unser Geld durch das EEG verschwendet wird. Wenn man für einige ausgewählte Eneuerbare-Energie-Anlagen die CO2 -Vermeidungskosten betrachtet, ergibt sich ein erschreckendes Bild.

CO 2 Vermeidungskosten im EEG 5

Windenergie Onshore

54,0 Euro

Windenergie Offshore

119,6 Euro

Biomasse

136,1 Euro

Photovoltaik

345,9 Euro

EEG insgesamt

136,5 Euro

Quelle:Hubertus Bardt, Juth Niehues, Holger Techert,

Die Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland. S. 19

Die Kosten, eine Tonne CO2 zu vermeiden, waren in der Photovoltaik 2011 mehr als fünfmal so hoch wie bei der Windenergie Onshore. Sie betragen bei allen Erneuerbare-Energie-Anlagen ein Vielfaches von dem, was im Emissionshandel je für ein Emissionszertifikat gezahlt werden musste. Der Leser wird sich vielleicht an die erste Parabel aus der Einleitung zu diesem Kapitel erinnern. Wenn es im Rahmen des europaweiten Emissionshandels möglich ist, eine Tonne CO2 zu einem Preis von 10 Euro zu vermeiden und 345 Euro gezahlt werden müssen, um eine Tonne CO2 mit Hilfe der Photovoltaik einzusparen, sollte man eigentlich darüber nachdenken, wie die exorbitante Verschwendung vermieden werden kann. Das geschieht aber nicht.

Nun mag man einwenden, dass der sich zuletzt bildende Preis für Emissionszertifikate anomal niedrig ist. Carl Christian von Weizsäcker hat geschätzt, dass man bei einem Preis von 30 Euro, der weltweit für die Emission einer Tonne Kohlendioxid gezahlt wird, das Ziel erreicht, die Temperatur nicht um mehr als zwei Grad ansteigen zu lassen. Auch bei dieser Überlegung wird klar, wie groß die Verschwendung ist, die uns das EEG beschert.6 Die Regierung der USA hat die sozialen Kosten, die durch die Emission einer Tonne CO2 im Jahr 2015 entstehen, auf 25 Dollar geschätzt.7

Das ist aber noch nicht alles.

Die traurige und viele Laien wohl verblüffende Wahrheit ist nun, dass mit all unseren Wind- und Solaranlagen, für die wir viele Hunderte von Milliarden ausgeben, nicht eine einzige Tonne CO2 eingespart wird, obwohl dies doch das eigentliche Ziel der teuren Förderung der regenerativen Energien ist! Ja, auch wenn wir auf Grund der Bevormundungssucht grüner Politiker bei uns und in der EU zum Beispiel alle unsere gewohnten Glühlampen durch scheußliche Energiesparlampen ersetzen, sparen wir nicht ein einziges Gramm CO2.

Wie kann das sein? Wenn wir Strom mit Windkraft oder mit Sonnenenergie erzeugen, anstatt mit einem Kohlekraftwerk, so wird zweifellos unmittelbar der CO2-Ausstoß reduziert. In der deutschen Stromerzeugung werden deshalb weniger Emissionszertifikate benötigt. Es werden bei uns weniger Zertifikate für die Stromerzeugung nachgefragt. Die nicht benötigten Zertifikate werden auf dem Markt angeboten, der Preis der Emissionszertifikate sinkt. Alle anderen europäischen Unternehmen wie auch unsere eigenen Raffinerien und Stahlwerke brauchen weniger Anstrengungen zu unternehmen, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Es wird etwa in Polen lohnend, weniger für die Modernisierung der Kohlekraftwerke auszugeben. Die Gesamtmenge an CO2-Emissionen ändert sich durch zusätzliche deutsche Windkraftwerke oder Solaranlagen nicht. Für den Ausstoß an Treibhausgasen ist die verbindliche Obergrenze durch den Cap bestimmt! Es kommt nicht zu einer Reduktion, sondern nur zu einer Verlagerung der Emissionen. Oder: Wenn wir unsere Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzen und für die Staubsauger niedrigere Wattzahlen vorschreiben, wird weniger Strom verbraucht. Es wird weniger Strom produziert und es werden weniger Zertifikate benötigt. Nicht benötigte Zertifikate werden verkauft. Die CO2-Emission findet an anderer Stelle statt.8

Wenn über das EEG Hunderte von Milliarden in den Sand gesetzt werden, handelt es sich um die größte Verschwendung und die dreisteste Klientelpolitik, die es in der Bundesrepublik je gegeben hat. Bei dem Berliner Flughafen und der Elbphilharmonie geht es im Vergleich mit der Vergeudung durch das EEG um lächerliche Beträge, die nicht der Erwähnung wert sind!


Nur in den Auszügen aus dem achten Kapitel wurden die Fußnoten beibehalten. In allen anderen Auszügen wurden die Fußnoten weggelassen. Das Manuskript enthält mehr als 600 Fußnoten.


1 Hans-Werner Sinn, Das grüne Paradoxon, Berlin 2012, S. 149
2 Sinn, a.a.O., S. 150
3 CharIes B. Blankart ,Christoph Böhringer, Friedrich Breyer. Wolfgang Buchholz, Christoph M. Schmidt, Carl Christian von Weizsäcker, Joachim Weimann, Die Energielüge, „Cicero online“ vom 18. November 2008
4 Arthur Cecil Pigou (1877-1959)
5 Die Zahlen in der Tabelle beziehen sich auf die im Jahre 2011 bestehenden Anlagen
6 Interview mit Carl Christian von Weizsäcker, „Die Welt“ vom 9. Dezember 2008
7 William Nordhaus, The Climate Casino, Risk, Uncertainty and economics for a Warming World. Yale University Press, New Haven, 2013, S. 228
8 Die hier skizzierte ökonomische Einsicht wurde schon sehr früh, nämlich im Jahre 2004, vom wissenschaftlichen Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium eindeutig formuliert. Siehe: Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Zur Förderung erneuerbarer Energien, Berlin 2004, vor allem S. 6-9. Siehe auch: Sinn, a.a.O., S. 188ff. und Joachim Weimann, Die Klimapolitikkatastrophe, Marburg 2008, S. 49 ff. sowie Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Jahresgutachten 2011/12, Verantwortung für Europa wahrnehmen, hier das sechste Kapitel, Energiepolitik: Erfolgreiche Energiewende nur im Europäischen Kontext, S. 247 ff. Siehe auch: Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) WGIIIAR5, Final Draft, Summary for Policymakers, S. 32

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